Mein auferstandener Mann und Jesus

Ein Wunder

Der Auferstandene hielt plötzlich an.

 -Haben wir überhaupt Geld?-

 -Geld? Wir sind in göttlicher Mission unterwegs. Trenne dich von solch irdischen Gedanken, sonst wird die Welt nie gerettet.- mahnte der Sohn Gottes.

 

 -Das ist ein nobles Ziel, aber leider brauchen wir Geld.- antwortete Hubertus.

 

 -Wofür brauchen wir Geld, wenn wir doch die Liebe auf unserer Seite haben?- lächelte Jesus.

 

 -Zum einen, um mit dem Zug nach Wien zu kommen.-

 

 -Oh. Daran habe ich nicht gedacht.- sagte Jesus und kratzte sich am Hinterkopf.

 

Er sah sich um und dachte angestrengt nach. Sie befanden sich auf einem belebten Platz. Jesus seufzte laut. Er würde wohl ein paar alte Tricks ausgraben müssen. Er hoffte, dass er das Handwerk nicht verlernt hatte. Schließlich war seine letzte Vorstellung mehr als zweitausend Jahre her und gut war die für ihn wirklich nicht ausgegangen. Wenn sie jedoch nach Wien wollten, führte kein Weg daran vorbei. Der Sohn Gottes ging auf einen Mistkübel zu und wühlte kurz darin herum. Er holte einen Kaffeebecher hervor und drückte ihn Hubertus in die Hand. Der Wiedererweckte sah ihn verwirrt an.

 

 -Es wird Zeit für ein Wunder.-

 

Der Sohn Gottes stellte sich neben einen Trinkbrunnen und erhob die Stimme.

 

 -Aufgepasst meine Damen, meine Herren, liebe Kinder! Was sie gleich sehen werden, hat die Welt seit mehr als tausend Jahren nicht mehr gesehen!- schrie Jesus über den Platz.

 

 –Treten sie näher und werden sie Zeugen eines Wunders.- Die Menschen sahen zu ihm hinüber.

 

Schnell hatte sich eine Traube aus Schaulustigen gebildet. Jesus trat näher an den Trinkbrunnen heran und begann zu pumpen. –Wie sie sehen können handelt es sich hierbei um einen ganz normalen Wasserbrunnen. Könnte jemand hervortreten und dies bitte bestätigen?-  Ein kleines Mädchen verließ die Traube.

 

 -Ah eine junge Dame erklärt sich bereit mir zu assistieren.- lächelte Jesus und das kleine Mädchen klatschte freudig in die Hände. Der Sohn Gottes pumpte erneut und das Mädchen kostete vom Wasser.

 

 –Schmeckt wie immer.- befand die Assistentin.

 

 -Gleich nicht mehr.- richtete der Sohn Gottes das Wort an die Menge.

 

Er faltete die Hände und schloss die Augen. Jesus murmelte etwas in einer unbekannten Sprache und legte dem Trinkbrunnen die Hände auf. Als er erneut pumpte, ergoss sich eine rote Flüssigkeit aus dem Brunnen. Jesus wandte sich erneut an seine kleine Assistentin, doch Hubertus schob sich zwischen seinen göttlichen Begleiter und das kleine Mädchen.

 

 -Vielleicht sollte jetzt lieber ein Erwachsener kosten.-

 

Die Mutter der kleinen Assistentin trat vor und trank die rote Flüssigkeit. Nach dem ersten Schluck riss sie die Augen auf.

 

 –Ich werd‘ verrückt, das ist ja Wein.-

 

 

 -Ein Wunder.- frohlockte Jesus und warf die Hände zum Himmel empor.

 

Die Menschenmenge stürmte sofort näher heran. Jeder wollte sich vergewissern, dass die vier nicht im Bunde waren. Die Menge tobte und klatschte. Endlich mal ein guter Straßenkünstler. 

 

Hubertus ging mit dem Kaffeebecher durch und bat um eine kleine Spende. Fast jeder warf schnell eine Münze hinein, um sich sofort wieder dem Brunnen zuzuwenden. Die Menschen hatten Angst, dass der Trick bald leer und sie nichts mehr abbekommen würden. In ihrer Gier waren die Schaulustigen schon nach kurzer Zeit betrunken.

 

 -Ich sollte dieses Wunder vielleicht lieber aufheben, sonst endet das hier noch wie in Kana.- sagte Jesus halblaut.

 

 –Aber immerhin haben wir jetzt Geld.- lächelte er.

 

 -Aber nicht einmal genug für eine Fahrkarte.- sagte Hubertus.

 

 -Gut, dann lass ich den Wein noch ein bisschen fließen und wenn sie alle betrunken sind, gehst du erneut mit dem Becher durch.-

 

 -Herr Zauberer?- schrie einer der Schaulustigen.

 

 –Wie wär’s mit einem Grünen Veltliner?-

 

 

 -Ich glaube ich kann jetzt schon meine Runde machen.- stellte Hubertus fest. 



Auferstehung

Er blies die Luft lautstark aus und trat auf die Säule zu. Mit der linken Hand klopfte er gegen die nun hart gewordene Erde. Sie war hohl.

 

 -Aufstehen!-  sagte er laut.

 

Plötzlich brachen Stücke aus der Säule und gaben den Blick auf ein Gesicht im Inneren frei. Der Mann klopfte stärker und die Form bröckelte zu Boden. Die Gestalt, die zuvor noch in der Säule gesteckt hatte, fiel mit dem Gesicht voran auf den Boden. Beim Aufprall stöhnte sie laut auf.

 

 -Es dauert etwas bis du dich wieder bewegen kannst.- sagte der gut gekleidete Mann zu der Gestalt, die mit dem Gesicht im Staub lag.

 

 -Mhm hmm.- raunte die Person im Dreck.

 

 -Auch bis du wieder sprechen kannst. Blinzle einmal, wenn du mich verstehst.- sagte der Mann und die Gestalt versuchte zu blinzeln.

 

Es war nicht einfach und die Person brachte nur ein merkwürdiges Zucken zustande.

 

 -Ich fasse das jetzt so auf, dass du mich verstehen kannst.- sagte der Mann und fuhr nach einem erneuten Blinzelversuch fort.

 

 -Du fragst dich bestimmt, was du hier tust?- diesmal wartete er das Zucken nicht ab.

     

 -Wie du dich vielleicht erinnern kannst, bist du vor einiger Zeit gestorben. Nun gute Nachrichten, ich habe dich wiedererweckt. Ist das nicht unglaublich?- grinste der gut gekleidete Mann und wartete auf eine Reaktion des Auferstandenen. Sie blieb aus.

 

Er ging in die Hocke und drehte den Auferstandenen auf den Rücken, damit er nicht zu viel Staub einatmete, dann setzte er sich neben ihn auf den Boden und sah in den Himmel.

 

 -Es gibt natürlich einen Grund weshalb ich dich zurückgeholt habe.- erklärte er und sah in die aufgerissenen Augen des Wiedererweckten.

 

 –Bevor ich dir das sage, solltest du dich aber fangen. Lass dir ruhig Zeit. Noch haben wir keinen Stress.- lächelte er und sah in den Himmel.

 

 –Wobei, ein bisschen solltest du dich vielleicht doch beeilen.- sagte der Mann und tippte auf sein Handgelenk.

 

Der Auferstandene lag noch immer auf dem Boden und wusste nicht so recht was genau passiert war. Bis vor kurzem war er noch tot und jetzt lag er auf irgendeinem Feld und konnte sich nicht bewegen.