Casa

Autors Blog, Sternzeit 2018245

 

Von der philosophischen und gesellschaftlichen Beglückung zurück zu Momenten meines Lebens.

 

...Mit 20 Menschen sitze ich vollkommen still am Dachboden eines Einfamilienhauses, der zu einem Meditationsraum umfunktioniert worden war. Trotz der gekippten Fenster, ist die Hitze, die von den ganz in weiß gekleideten Männern und Frauen ausgeht unerträglich. Ich platziere meine Hände am Schoß und schließe die Augen, um die Energie des Raumes in mich aufzunehmen und von den steigenden Temperaturen abzulenken. In der Stille, die hin und wieder von einem Räuspern durchbrochen wird versuche ich Körper und Geist auf die bevorstehende Erleuchtung vorzubereiten. 

Die Besetzerin des Hauses und gleichzeitige Leiterin der Meditation beginnt sanft zu sprechen und alle Teilnehmer in die bevorstehende Heilung des stillen Sitzens einzuführen. Sie begrüßt uns mit den Worten des Leiters einer brasilianischen Gemeinde, der uns seinen Beistand vom anderen Ende der Welt  zukommen lässt. 

Ich bin entspannt und die Hitze scheint ihren Weg durch die gekippten Fenster nach draußen zu finden. Die Leiterin bitte uns die Augen während der nächsten zwei Stunden geschlossen zu halten und beginnt die Meditation mit einem Cover von Hallelujah, das uns aus der Stereoanlage entgegengeblasen wird. Die Entspannung ist dahin und macht meinem kritischen Sinn für Musik Platz. 

Bereits nach wenigen Minuten beginne ich die körperlichen Auswirkungen der Meditation zu spüren. Statt der ersehnten Erleuchtung, fühle ich einen stechenden Schmerz in meinem Linken Hoden, der zu den glucksenden Magengeräuschen meines Sitznachbarn zu pulsieren scheint. 

 

Im Laufe der nächsten Stunde wandert dieser Schmerz in meinen Bauch und die Angst, ohrenbetäubende Winde durch den Raum erklingen zu lassen, macht sich in mir breit. In willkürlichen Intervallen wandert die Heilung von meinem Bauch in die Nase, die ich immer wieder zuhalten muss, um nicht zu niesen, in meinem Bauch und wieder zurück in die Nase, bis sie schließlich meine Stirn erreicht und sich in Form von Kopfschmerzen für eine weitere Stunde ansiedelt.  

Die Leiterin des stillen Sitzens bittet uns die Augen weiterhin geschlossen zu halten, während sie durch den Raum geht, um sich jedem einzelnen von uns persönlich zu widmen, Die Musik wechselt auf ein Cover von 1492, das mich innerlich aufwühlt und den Schmerz zurück in meine Genitalien treibt...

 

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